HOODIES, HOODIES…

Vorab möchte ich Euch allen ein gutes, gesundes und vor allem kreatives Jahr 2022 mit viel Freude und guten Nähergebnissen wünschen!

Wie schon angekündigt, kann heute verraten werden, mit welchem Geschenk ich meinen Mann dieses Jahr zu Weihnachten überrascht habe.

Das absolute Lieblingskleidungsstück meines Mannes fürs Privatleben ist ein Hoody, den ich ihm vor vielen Jahren einmal geschenkt hatte. Zwischenzeitlich ist das gute Stück ganz schön in die Jahre gekommen, also der Hoody, nicht der Mann. Er altert nicht, wird nur weiser, sagt er. Zuletzt lösten sich sogar die Ränder der Ärmelbündchen auf, also am Hoody. Schon lange stand eine Ersatzbeschaffung im Raum, des Hoody natürlich, nicht des Mannes Allerdings waren die aktuellen Angebote der bekannten Marken im Design zu laut, zu wenig individuell und schlicht nicht smart genug.

Was lag also näher, als mit der neuen JANOME CoverPro 3000 PROFESSIONAL endlich mehr als nur in luftleeren Räumen zu nähen, also jenseits der Spielereien auf Probeläppchen. Ein maßgeschneiderter Hoody für meinen Mann sollte mit dieser Maschine jetzt möglich sein.

Den Schnitt hierfür hat in bewährter Weise wieder Frau Borgert, Schnittmusterwerkstatt München, erstellt. Die Vorlage war sinnvollerweise das Original-Lieblingsteil, ein klassischer Hoody-Schnitt.

Das klingt jetzt einfacher als es war: denn um den Überraschungseffekt zu erzielen, musste das Lieblingsstück meines Mannes solange in der Wäsche verschwinden, bis Frau Borgert den Schnitt abnehmen konnte. Meine bessere Hälfte bemerkte das Fehlen seines Lieblingsteiles natürlich sofort und es hagelte dann fast täglich Kommentare, wann denn bei all meiner Freude an der Näherei, für die er ja vollstes Verständnis aufbringe, aber eigentlich mal wieder die Wäsche dran sei…

Nun gut, Freude und Spannungen in der Vorweihnachtszeit sollen ja überall vorkommen…

Nachdem Schnitt und Originalvorlage dann einige Tage später im Briefkasten lagen, ging es sofort an meine vielen IKEA Boxen, in denen Material und Stoffe lagern Es sollte ein ganz bestimmter Stoff werden, ein Strickstoff aus einem Werksverkauf der leider zwischenzeitlich aufgelösten Münchener Firma Rena Lange. Beim Erwerb dieses Stoffes vor einigen Jahren spielte der Gedanke an einen Hoody für meinen Mann natürlich noch keine Rolle, ich dachte da eher an ein edles Teil für mich Selbst. Aber so ist das eben mit dem Stoffsammeln, ihre Bestimmung erfahren die Stoffe manchmal erst Jahre später.

Die Freude fing bereits beim Zuschnitt an, denn es war schnell zu erkennen, wie gut dieser Hoody gelingen könnte.

Jetzt aber ein bisschen Technik:

Bei einer Covermaschine werden ja bis zu fünf Garnkonen pro Farbe benötigt. Und wer hat schon immer so viele Garnrollen pro Farbe vorrätig? Alternativ können auch Unterfadenspulen zum Wickeln eingesetzt werden. Ich habe es ausprobiert, es klappt!

Zuerst wurden die Kapuzenzeile mit einem 2-Faden-Kettstich zusammengenäht. Hier ein kleiner Trick: wenn nur die linke Nadel verwendet wird, kann alleine mit Hilfe des Nähfußes der exakte Abstand der Nahtzugabe, in meinem Fall von einem Zentimeter, eingehalten werden.

Damit die Schulternähte später nicht Ausleiern, habe ich ein dünnes unelastisches Band beim Nähen mitgeführt. Der Klarsichtfuß ist dabei für die Sicht optimal und unverzichtbar.

Als nächstes wurden die Ärmel wieder mit einem 2-Faden-Kettstich eingenäht. Jetzt endlich kam es zum größten Nähvergnügen bei diesem Projekt. Die Naht wird mit dem Deckstich oder auch Top-Cover-Stich genannt von der rechten Seite im Nahtschatten abgesteppt. Zum Einsatz kam der 2-Nadel-Deckstich, dessen Optik besonders harmonisch wirkt. Diese Steppnaht hat neben der dekorativen Wirkung auch den Zweck, dass die Nahtzugaben auf diese Weise ganz flach zum Liegen kommen. Auf den Bildern könnt Ihr sehen, wie professionell das Ergebnis aussieht.

Der Tunnel für die Kapuzenkordel wurde ebenfalls mit dem Deckstich gesteppt.

Übrigens hier noch ein Tipp zu den Nahtanfängen:
Beim Deckstich beginne ich die Naht mit einem Probestück, lege dann direkt das zu nähende Teil an und nähe einfach weiter.

Danach können die Ärmel- und Seitennähte in einem Arbeitsgang, wieder mit dem 2 Faden-Kettstich, geschlossen werden.

Jetzt wird die Kapuze auch schon auf den Halsausschnitt gesteppt. Bevor dies geschieht, müssen jedoch noch Öse oder Knopfloch für die Kordel eingearbeitet werden, da diese Stellen danach nicht mehr zugänglich sind.

Auf den Bildern ist zu erkennen, dass diese wichtige Naht vorher von Hand geheftet wurde. Dies lohnt sich immer, wenn es perfekt werden soll.

Jetzt werden die Bündchen noch angenäht und ganz zum Schluss die offenen Kanten von innen mit der Overlock versäubert. Eingesetzt habe ich hierfür die JANOME AirThread 2000 D Professional. Sie hat diese Aufgabe mit Bravour gemeistert. Schließlich muss sie an manchen Stellen bis zu vier Lagen umschließen (!). Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.

Übrigens wurde die Bauchtasche weggelassen, natürlich nur aus Designründen 😉.

Meine eigene Vorfreude auf die Bescherung dieses Teils war jedenfalls riesig und für mich in gewisser Weise ein neues, schönes Gefühl. Denn für Andere, auch für meinen Mann, nähe ich aus Zeitgründen eigentlich nie bzw. extrem selten.

Mein Mann hat sich dann am Heiligen Abend auch wirklich sehr gefreut und hat jetzt ein neues Lieblingsstück. Es passt auf wundersame Weise ja auch perfekt, ganz ohne Anprobe, wie hast Du das eigentlich hingekriegt ?….Er legt das gute Stück so gut wie überhaupt nicht mehr ab. Abends beim Zubettgehen muss ich ihn ziemlich bearbeiten, dass er es zumindest nachts auszieht. Tja…

Das war’s mal wieder für heute, bald geht’s weiter.

Eure Ute

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